

Augsburger Allgemeine Zeitung am 05.02.2005
Gesichter erzählen Geschichten
Preisgekröntes Improvisationstheater isar148 aus München fasziniert im S'ensemble.
(gwen). Impro-Theater ist Theater auf Zuruf. Statt Texte zu lernen und Charaktere zu entwickeln, wird hier sofor auf ein Stichwort, eine kleine Geste, eine mimische Zuckung reagiert. Meister dieser Theaterform sind die Münchner isar148. Ihr neues preisgekröntes Format zeigten sie jetzt erstmals in Augsburg im S'ensemble Theater.
Ergebnis solcher Improvisations-Theater-Vorstellungen ist meist der geballte Angriff auf die Lachmuskeln. Das von isar148 entwickelte Format "Face2Face" weicht von diesem üblichen Schema ein wenig ab. Die Spontaneität ist geblieben, es darf gelacht werden. Aber es können auch mal nachdenkliche Szenen entwickelt werden. Diese Mischung macht das neue Format so spannend. Auf der "Impronale" in Halle wurde isar148 mit den Schauspielern Birgit Linner, Tinka Kleffner und Roland Trescher für diese innovative Form des Impro-Theaters mit einem Preis ausgezeichnet.
Das Konzept ist einfach und stimmig. Felix Schmid hat auf seinem Laptop einige tausend Porträts gesammelt. Aus diesem Pool fischt er nun für den Abend etwa ein knappes Dutzend heraus: Eine dicke Frau mit melancholischem Blick, ein lasziver Vamp, ein schmunzelnder Priester, ein eingeschüchterter Teenager, ein alter Mann. Die Schauspieler haben die Fotos, auf Leinwand pojiziert, noch nie gesehen. Da ist ein Typ in Vollbart mit verträumtem Blick: Roland Trescher springt auf die Bühne und ist zum 68er Flowerpower-Typen mutiert. Birgit Linner kommt hinzu und nimmt als Polizistin ein Protokoll auf. Im Verlauf der Geschichte stellt sich heraus, der Typ ist der Heiland selbst auf der Suche nach der heilen Welt. Situationen wie Dialoge sind komisch und driften oft ins Groteske und Absurde.
Damit dies überzeugend funktioniert, müssen die Akteure ungeheuer wach und geistig agil sein. An diesem Abend war das in der einen oder anderen Szene nicht immer der Fall. Aber das gehört zum Impro-Theater. Die Zuschauer nehmen Spannungspausen in Kauf. Spannend wurde die Geschichte mit den Gesichtern in der zweiten Hälfte, da nun alle Gesichter nochmals auftauchten. Jetzt haben die Personen einen Zeitsprung vollführt und befinden sich in neuen Situationen. Zwar hatte sich hie und da die zuvor aufgebaute Biografie ein wenig verändert, aber packend war dies in jedem Fall. Und so wird das Programm trotz all dieser kurzen, singulären Szenen letztendlich zu einem zusammenhängenden Ganzen, quasi zu einem Improvisations-Drama.